Der Nervenkitzel an der „flamme rouge“ – unsere Interviews mit Radprofis erscheinen 2019 als Buch

Heute schreibe ich über eines meiner Herzensprojekte, an dem ich seit dem Frühjahr 2017 sitze – meist in den Abendstunden, wenn sich die Hektik des Alltags etwas gelegt hat: mein zweites Buch. Nachdem ich als Student einmal Schriftsteller interviewt und daraus ein Buch gemacht habe, geht es diesmal zwar auch um Leiden und Leidenschaft, aber diesmal im Radsport. 

 

Die Idee ist im Winter 2017 entstanden, als ich für meinen Radblog cyclin.blog mir diverse Radsportbücher deutscher Verlage angeschaut habe – und eines vom Typus Interviewbuch vermisste. Nach den Rennen werden die Fahrer 2-5 Minuten lang interviewt, das Niveau oft knappp oberhalb typischer Fußballer-Interviews. Lange Interviews, die sich Radsportthemen ausführlich widmen? Fehlanzeige. Kurz zuvor hatte ich für den Blog den früheren Radprofi Jens Voigt interviewtund mit ihm lang und breit über sein Buch und seine Karriere gesprochen. Tolles Gespräch, unheimlich nahbarer Typ. Geht doch, dachte ich.    

 

Dann hin- und herüberlegt, was ein roter Faden für solche Interviews sein könnte – schließlich hatte mein Trainingspartner Florian Summerer die zündende Idee: Es könnte um Geschichten an der „flamme rouge“ gehen – so heißt ein Stück Stoff, der „Teufelslappen“, der bei Radrennen 1000 Meter vor dem Ziel über der Strecke weht und das Finale einläutet. „Auf dem entscheidenden Stück der Rennstrecke werden Geschichten aller Couleur geschrieben, von triumphalen Siegen und tragischem Scheitern“, schrieb ich damals im Exposé. In den Interviews sollte es dann um Fragen gehen wie: Was ist auf den letzten 1000 Metern genau passiert? Auf dem Rad? Im Kopf des Fahrers? Warum waren diese Momente prägend für den Fahrer? Wie stellt sich die Erfahrung aus heutiger Sicht dar? Welcher Bogen lässt sich zur gesamten Rennfahrerkarriere schließen? 

Gute Ideen – mit denen wir auch unseren Lieblingsverlag für Radsportbücher gewinnen konnten, das Buch mit uns zu machen: Covadonga, ein kleiner Fachverlag aus Bielefeld, in dem seit Jahren die schönsten Radsportbücher erscheinen. Der Verleger Rainer Sprehe gab uns noch mit auf den Weg, dass wir nicht nur die großen Namen und schon bekannten Geschichten – neu – erzählen sollten, sondern auch die unbekannteren. Einer von vielen wertvollen Tipps des Verlegers.

 

Idee auf dem Tisch, Vertrag unterschrieben, auf in die Interview-Akquise – die Florian und ich uns allerdings etwas anders vorgestellt hatten. Florian arbeitet bei einer größeren Tageszeitung als Art Director, ist also ganz nah dran am journalistischen Alltag, kennt quasi die Regeln und Erfahrungen der schreibenden Zunft. Und ich hatte in meiner Laufbahn als Journalist nun auch mindestens 300 Interviews gemacht, mit Schriftstellern, Wirtschaftskapitänen, Kulturmanagern, Verlegern, Juristen, mit großen Namen wie Helmut Newton, Martin Walser, mit Unbekannten jenseits des Rampenlichts... Riesiges Panorama eben. Was die allermeisten Interviews gemein hatten: Die Akquise der Gesprächspartner war in der Regel unproblematisch – weil die meisten irgendeine Motivation haben, sich im Interview zu äußern.

 

Mit diesen durch und durch positiven Erfahrungen im Hinterkopf begann also die Suche nach Gesprächspartnern aus der Radsportwelt.

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